Schneller werden im Simracing – 6 Faktoren, um deine Rundenzeiten zu verbessern

Jeder Simracer kennt den frustrierenden Moment, wenn die Rundenzeiten auf einem scheinbar unüberwindbaren Plateau stagnieren und endloses Hotlapping keinen Fortschritt mehr bringt. Die Lösung dieses Problems liegt oft nicht auf der virtuellen Strecke selbst, sondern in den wichtigen Details rund um Equipment, Trainingsstruktur und Mindset. Im Folgenden werden einige Dinge vorgestellt, die dazu beitragen können, die Rundenzeiten zumindest etwas zu verbessern.

Training, Training und nochmal Training

Die Grundlage für schnelle Rundenzeiten ist natürlich nach wie vor das klassische Training. Hier muss man allerdings zwischen den absoluten Grundlagen, wie der allgemeinen Kenntnis der Strecke mitsamt korrekter Linienwahl, und weiterführenden Trainingsmethoden unterscheiden. Sinnloses Rundenabspulen führt in der Realität oft nur dazu, dass sich Fahrfehler festigen. Effektives Training bedeutet, das Training gezielt einzusetzen. Man sollte sich auf spezifische Techniken wie Trail Braking fokussieren, gezielte Stints fahren und bewusst an Schwachstellen in bestimmten Kurven arbeiten, anstatt nur auf die absolute Bestzeit zu achten. Wenn sich nach einiger Zeit Plateaus bilden und man auch nach langen Sessions keinen Fortschritt sieht, sollte man anfangen, über die anderen Faktoren nachzudenken.

Die Umgebung – Rig, FOV und Co

Um das zuvor genannte Training sinnvoll einsetzen zu können, müssen zunächst einige Grundvoraussetzungen geschaffen werden. Dazu zählen Selbstverständlichkeiten wie ein stabiles Rig (oder ein entsprechend gegen Verschieben gesicherter Schreibtischstuhl) sowie natürlich grundsätzlich funktionierende Hardware. Eine schleifende Bremse oder eine Wheelbase mit fragwürdigen FFB-Einstellungen sind hier Klassiker. Hinzu kommen zusätzliche Faktoren wie ein korrektes FOV. Hierbei sollte man sich zumindest grob an den errechneten Werten (FOV-Rechner) orientieren. Hier gilt es vor allem, reproduzierbare Bedingungen zu schaffen, um Trainingserfolge überhaupt einschätzen zu können. Dazu zählen auch die Streckenbedingungen und Ähnliches. Was bringt ein vermeintlicher Fortschritt, der am Renntag in sich zusammenfällt, wenn die Strecke im Training dann doch 10 Grad kühler war als gedacht?

Das Problem mit Geld erschlagen – Neue / Bessere Hardware

Ein Klassiker, vor allem bei relativ neuen Systemen, ist der Versuch, schlechte Rundenzeiten durch den Kauf neuer, oft teurer Hardware zu verbessern. Hierbei sollte man allerdings zunächst einmal das Potenzial der eigenen Hardware ausschöpfen. Seit Loadcell-Pedale und Direct-Drive-Systeme dank Fanatec und Co. erschwinglich geworden sind, bewegen sich die Unterschiede in puncto Performance mittlerweile in einem sehr überschaubaren Bereich. Wenn man nicht bereits an der absoluten Spitze mitfährt, kann man durch neue Hardware oft überraschend wenig reine Zeit gewinnen. Denn oft steckt in der eigenen Hardware deutlich mehr Zeit, als man denkt. Das beste Beispiel sind die Erfolge von Fahrern mit absoluter Einsteiger-Hardware in der Vergangenheit, die auch heute nicht selten Fahrern mit High-End-Setups um die Ohren fahren. Wenn man dennoch Geld investieren möchte, sind Pedale oft die erste Wahl, während Lenkräder, sofern sie grundsätzlich ergonomisch sind, oft wenig Einfluss auf die Rundenzeiten haben und eher für den passenden Spaßfaktor sorgen.

Schneller werden in der Gemeinschaft und im Wettkampf

Im Gegensatz zu teurer Hardware sind Simracing-Communitys in der Regel kostenlos. Hier kann man sich untereinander austauschen und, was fast noch wichtiger ist, gegenseitig zu neuen Höchstleistungen pushen. Denn wenn man nicht weiß, was potenziell möglich ist, fällt es schwer, sich weiter zu verbessern. Hier kommt die Konkurrenzsituation innerhalb der Community bzw. bei der Teilnahme an Rennserien zum Tragen, schließlich kann man ohne Wettkampf Skills wie Überholmanöver oder das Verteidigen der eigenen Position nur schwer bis gar nicht trainieren. In diesem Bereich haben die KI-Modelle der Simulationen zwar aufgeholt, hängen der Realität aber dennoch ein gutes Stück hinterher. Eine Community dürfte vor allem für Fahrer der mittleren Leistungsklassen die schnellste Möglichkeit sein, schneller zu werden und dabei auch noch eine Menge Spaß zu haben.

Die Psyche – Der mentale Effekt

Ein oft unterschätzter Faktor bei der Jagd nach Rundenzeiten ist der eigene Kopf. Selbst das strukturierteste Training und die teuerste Hardware nützen wenig, wenn im entscheidenden Moment die Nerven versagen. Ein klassisches Problem vieler Simracer ist das sogenannte „Overdriving“: Aus Frust über einen Fehler oder aus dem krampfhaften Willen heraus, eine Bestzeit erzwingen zu wollen, beginnt man, das Auto zu überfahren. Man bremst einen Tick zu spät, verpasst den Scheitelpunkt, hat am Kurvenausgang zu wenig Traktion und verliert massiv an Zeit. Mentale Stärke bedeutet in diesem Fall vor allem, Fehler sofort abzuhaken und den Fokus wieder auf den eigenen, sauberen Rhythmus zu legen. Auch die mentale Ausdauer spielt eine riesige Rolle. Wer es schafft, bei einem langen Stint die Konzentration hochzuhalten, auch wenn man völlig allein fährt oder ein Gegner rundenlang im Rückspiegel klebt, gewinnt durch reine Konstanz oft mehr Positionen als durch pure Pace. Manchmal kann es auch Wunder wirken, das Delta-Tool einfach auszublenden. Externe Mentaltrainer werden inzwischen von vielen E-Sport-Teams eingesetzt. Auch im Simracing setzt sich dieses Phänomen immer mehr durch.

Performance Coaches und Setups

Wenn das eigene Latein am Ende ist und selbst endloses Hotlapping keine Zehntel mehr bringt, sind Setups und Performance-Coaches gefragt. Ein auf den eigenen Fahrstil abgestimmtes Setup kann das nötige Vertrauen in das Fahrzeug liefern, auch wenn die fahrerische Basis natürlich zuerst stimmen muss. Denn allein durch ein Setup wird aus einem Anfänger noch kein Profi. Wer jedoch auf einem Plateau feststeckt, dem kann ein professioneller Coach oder eine moderne Telemetrie-Software den entscheidenden Leistungsschub geben. Solche Tools werten Fahrdaten knallhart aus und decken gnadenlos blinde Flecken in der eigenen Technik auf, sei es beim Trailbraking oder bei der Linienwahl. Anstatt sich stundenlang in unleserlichen Datenbergen und Graphen zu verlieren, greifen Fahrer heute auf nutzerfreundliche Lösungen wie Grid and Go (oder Mitbewerber wie Track Titan und Co.) zurück. Diese zeigen einem konkret auf der Strecke, wo die Zeit liegen bleibt.

Passend zu dieser technischen Entwicklung haben wir mit Kalle Kuhlmann von Grid and Go gesprochen, um aus erster Hand zu erfahren, wie moderne Analyse-Tools Simracern dabei helfen können, ihr volles Potenzial auszuschöpfen.

Ihr kommt selbst aus dem professionellen Simracing-E-Sport und fahrt auf höchstem Niveau. Welchen entscheidenden Vorteil verschafft euch diese Praxiserfahrung bei der Entwicklung der Software gegenüber Entwicklern, die sich vielleicht „nur” mit Data Science oder Programmierung befassen?

Durch die E-Sportskenntnisse wissen wir, wo die Stärken und Schwächen vom jedem Auto sind. Wir sind eins der wenigen Teams, dass jedes Auto perfekt aufsetzen kann dieses wissen geht allerdings eher in die Datapacks ein als in unsere Software. In unsere Software fließen allerdings Erfahrung aus Hunderten Coachings ein. Das ist die Erfahrung, die wir von unserem E-Sports Team abfragen.

Wenn du aus all den Funktionen eurer Software das absolute Lieblingsfeature oder euer „Killer-Feature“ herauspicken müsstest, auf welches seid ihr im Team am meisten stolz und warum löst genau dieses Feature oft den größten Aha-Moment bei euren Nutzern aus?

Der neue Replay-Analyzer, weil dieser immer in sync mit dem Replay ist. Das führt dazu, dass man nicht nur Telemetrie vergleicht, sondern ganz konkret sieht, was man da auf der Strecke gemacht hat. Das gibt richtige Bezugspunkte, statt nur vage Vermutungen.

Euer System nutzt eure eigenen, hochklassigen E-Sports-Daten als Referenz für die Analyse. Wie schafft es die Software, einem durchschnittlichen Fahrer oder Anfänger konkret zu helfen, ohne ihn mit dem Anspruch auf „Alien-Zeiten” oder perfekte Trailbraking-Kurven sofort zu überfordern?

Zum einen ist die Software als „Werkzeugkasten“ gebaut. Jeder kann schauen, was für Ihn/sie gerade wichtig ist, um sich dann nur darauf zu konzentrieren. Wenn man die „Turn Lesson“ benutzt gibt es klare Prioritäten, welche die Software benutzt. Zum Beispiel priorisiert die Software es erst, den User davon abzubringen zu schnell in die Kurve zu fahren und einen guten Exit vorzubereiten, bevor es darum geht den Kurveneingang schneller zu bewältigen.

Der Begriff „KI” wird im Simracing aktuell fast schon inflationär für alles Mögliche genutzt. Du unterscheidest jedoch bewusst zwischen einer reinen „KI” und einer „KI-gestützten Performance-Analyse”. Wo genau ziehst du da die Grenze und warum ist euer Ansatz der nachhaltigere Weg, um als Fahrer schneller zu werden?

Wir benutzen keine KI in der aktuellen Version der Software. Der Grund dafür ist, dass alles, was in der Software aktuell berechnet wird klar mit „normalen“ Algorithmen berechnet werden kann und dies einfach schneller und zuverlässiger funktioniert als mit KI. Ich hab ein Feature auf meiner Wunschliste, bei dem wir vielleicht mal auf KI zurückgreifen wollen, das wird aber noch dauern, weil es noch bessere Sachen gibt, die keine KI benötigen.

Die technische Entwicklung im Simracing steht niemals still und die Ansprüche der Community wachsen stetig. Was steht bei Grid and Go in der näheren Zukunft auf dem Plan? Kannst du schon einen kleinen Teaser geben, an welchen neuen Features oder Entwicklungen ihr in den nächsten Monaten arbeitet?

In den nächsten Monaten steht vor allem das Loggen weiterer Daten an, um mehr auf die Rotation der Fahrzeuge einzugehen. Danach kommen weitere „Lessons“ und eine Verbesserung der UI/UX. Was mir hier wichtig ist: Das Feedback der User wird bei uns immer priorisiert behandelt. Wenn wir merken unsere User wollen Feature B obwohl wir eigentlich erst A machen wollen, dann ändern wir unsere Pläne meist. Also immer schön Feedback geben!

Fazit

Um im Simracing langfristig schneller zu werden, reicht es nicht aus, endlos Runden abzuspulen. Vielmehr kommt es auf eine gute Kombination aus durchdachtem Training, mentaler Stärke und soliden Grundvoraussetzungen an. Wer sich zudem aktiv in einer Community austauscht und den direkten Wettbewerb sucht, trainiert essenzielle Fähigkeiten wie das Überholen und Verteidigen unter echtem Druck auf natürliche Weise. Stoßen Fahrer dennoch an ihre Grenzen, bieten moderne Telemetrie-Tools oder professionelles Coaching die Möglichkeit, Schwächen in der eigenen Fahrtechnik gezielt aufzudecken. Letztendlich führt nur ein ganzheitlicher Ansatz, der alle diese Faktoren bestmöglich vereint, zu konstant besseren Rundenzeiten.

Kommentare

  1. Gibt es güsntigere Alternativen zu Grid and Go?

    1. Wenn du iRacing fährst und auch eh Setups brauchst, kenn ich nichts besseres. nutz es seit zwei Monaten und bin sehr zufrieden. Man sollte auch noch Garage 61 nutzen am besten!

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