SimHub Ambilight Plugins: Drama in der Simracing-Community – CAAL vs. DNR

Nachdem SimHub vor einigen Jahren die Unterstützung von Ambient Lighting (Ambilight) hinzugefügt hatte, wurde es lange Zeit ruhig um dieses Feature. Mit der Veröffentlichung des Cockpit Auto Ambient Light Plugins von Bruno Silva vor einigen Monaten änderte sich dies. Immer mehr Content Creator stellten das Plugin in ihren Videos ihren Communitys vor. Kurz darauf veröffentlichte DNR ein Feature, das von Teilen der Community als sehr ähnlich wahrgenommen wurde und anschließend eine Diskussion auslöste.

Hintergrund: Was ist ein Ambilight Plugin?

Ein Ambilight-Plugin für SimHub erweitert das Sichtfeld durch eine dynamische Hintergrundbeleuchtung (z. B. von Philips Hue oder Govee) und macht das Erlebnis auf der Rennstrecke im Simulator deutlich immersiver. Normalerweise ist die Nutzung jedoch etwas mühsam, da die Bildschirmerfassungsbereiche für jedes Fahrzeugcockpit manuell neu positioniert werden müssen, damit das Licht die Umgebung und nicht etwa das dunkle Autodach im Spiel ausleuchtet. Die Plugins lösen genau dieses Problem, indem sie diesen Anpassungsprozess vollautomatisieren. Anhand der SimHub-Daten erkennen sie das aktuell gefahrene Auto selbstständig und verschieben die Erfassungszonen für das Ambilight dynamisch auf die passenden Positionen. Zusätzlich gibt es verschiedene andere Features, die das Leben deutlich einfacher machen.

Das Cockpit Auto Ambient Light Plugin ist eine Entwicklung von Bruno Silva, die der Community kostenfrei zur Verfügung gestellt wurde. Das Ambient-Lights-Feature von DNR wurde hingegen als Teil des Daniel Newman Racing Plugins für SimHub veröffentlicht. Für die Nutzung ist hier eine monatliche Mitgliedschaft mit einem Preis von bis zu 12,89 € pro Monat erforderlich.

Drama in der Simracing-Community und gegenseitige Vorwürfe

Wenige Tage nach den Videos von Dan Suzuki und anderen Content Creators über das Cockpit Auto Ambient Light Plugin kam dann bereits die erste Ankündigung von Daniel Newman Racing bezüglich ihrer eigenen Entwicklung. Auffällig ist dabei vor allem die Geschwindigkeit, mit der sich das am 3. Juni erstmals vorgestellte Feature von DNR („BIIIIIIG Ambient Lighting RELEASE …”) weiterentwickelte: Zunächst gab es eine Basic-Version mit vielen Bugs und Problemen. In einem sehr schnellen Rhythmus wurde dann nachgearbeitet, sodass nach Auffassung von Bruno Silva und dem von ihm vorgelegten Bericht immer mehr Gemeinsamkeiten zur Feature-Liste von CAAL bestanden. Hier kam es dann auch schnell zu Vorwürfen seitens des Entwicklers des Cockpit Auto Ambient Light Plugins. Dieser sprach auf verschiedenen öffentlichen Discord-Servern davon, dass nach seiner Auffassung Teile seines Projekts übernommen worden seien. Die Vorwürfe gipfelten in einem rund zehn Seiten langen von Bruno Silva bzw. mit seiner Beteiligung erstellten Report („DNR-vs-CAAL-v1.12.0-technical-evidence-report-FINAL.pdf“), in dem er die verschiedenen Plugins miteinander verglich sowie die Inhalte auswertete.

DNR-vs-CAAL-v1.12.0-technical-evidence-report-FINAL.pdf

Der Bericht analysiert die technische Entwicklung des DNR Ambient Lights-Plugins (Versionen 4.4.1 bis 5.1.7) im Vergleich zum Cockpit Auto Ambient Light (CAAL) Plugin in der Version 1.12.0. Nach den Ausführungen des Berichts wird eine technische Entwicklung beschrieben, die sich schrittweise an die Methoden von CAAL annähert.

  • DNR 4.4.1 (Ausgangszustand): In dieser Version gab es noch keinerlei Algorithmen für automatische Cockpit-Maskierungen oder ähnliche Subsysteme. Dies war der Stand, bevor Ähnlichkeiten zu CAAL auftraten.
  • DNR 5.1.0 (Erste Ähnlichkeiten): Hier wurde erstmals ein automatischer Workflow mit einer Cockpit-Maske und 8 Output-Zonen eingeführt. Technisch handelte es sich dabei jedoch noch um eine einfache Methode, die lediglich Pixelbewegungen auswertete.
  • DNR 5.1.2 bis 5.1.5 (Weiterentwicklung der simplen Methode): Diese Versionen bauten auf dem frühen Ansatz auf und brachten hauptsächlich Verfeinerungen bei Einstellungen wie Sensibilität, Farbanpassungen und Glättung. Die grundlegende, einfache Funktionsweise blieb jedoch bestehen.
  • DNR 5.1.6 (Der Haupt-Wendepunkt): Hier fand die größte technische Annäherung (Konvergenz) an CAAL statt. DNR wechselte zu einer komplexeren Erkennung von stabilen Cockpit-Regionen (statt reiner Bewegungsauswertung) und integrierte adaptive Helligkeitsanpassungen. Diese neue Architektur war dem Ansatz von CAAL v1.12.0 deutlich ähnlicher als die vorherigen DNR-Versionen.
  • DNR 5.1.7 (Weitere Detail-Annäherung): Es wurden fokussierte Abtastbereiche für das untere Cockpit und eine Fallback-Funktion für sehr dunkle Szenen hinzugefügt. Dies entspricht einer weiteren Annäherung an die robusten Low-Light-Funktionen und das Zonen-Design, die CAAL bereits nutzte.

Fazit des Berichts: Laut dem Bericht von Bruno Silva kommt dieser zu dem Schluss, dass die späteren DNR-Versionen in Bezug auf Methoden und Architektur stark mit CAAL konvergieren (übereinstimmen). Allerdings betont der Bericht auch, dass es weiterhin materielle technische Unterschiede gibt (z.B. 8 Zonen bei DNR vs. 13 Zonen bei CAAL oder Unterschiede in der Signalverarbeitung). Aus diesem Grund beweist der Bericht laut eigener Aussage zwar eine starke Ähnlichkeit im konzeptionellen Ansatz, jedoch kein direktes, wörtliches Kopieren des Quellcodes.

Die Antwort von Daniel Newman ließ auf Discord nicht lange auf sich warten. In einem Statement, das durchaus mit einer Prise Ironie gelesen werden kann, bescheinigte er Bruno Silva zwar eine „exzellente Arbeit“, wies die Plagiatsvorwürfe aber vehement zurück. Newman betonte ausdrücklich, dass das DNR-Plugin eine völlig eigenständige Entwicklung sei. Laut seiner Aussage ist das neue System der Höhepunkt einer stetigen Weiterentwicklung ihrer eigenen Ambient-Light-Profile, die bereits seit zwei Jahren auf dem Markt sind. Der plötzliche Release des Features sei lediglich so lange zurückgehalten worden, um ihn passend mit dem großen V5.0-Update der eigenen Software zu bündeln. Auf unsere Anfrage an Daniel Newman Racing um ein Statement zur aktuellen Situation wurde bis zur Veröffentlichung des Artikels leider nicht geantwortet. Sollte sich dies im Nachhinein ändern, werden wir das Statement natürlich hier veröffentlichen und DNR die Möglichkeit geben, sich zu den Geschehnissen noch einmal detailliert zu äußern.

Daniel Newman – Dan Suzuki Public Discord (https://discord.com/invite/RvTKaVk)

Technische Hintergründe

SimHub basiert auf dem .NET-Framework von Microsoft. Wenn jemand ein Plugin für SimHub schreibt, nutzt er dafür in der Regel die Programmiersprache C# und Visual Studio. Wenn der Entwickler mit seinem Code fertig ist, klickt er in seiner Entwicklungsumgebung (z. B. Visual Studio) auf „Kompilieren“ (Erstellen). Dabei wird der von Menschen lesbare C#-Code in eine .dll-Datei (Dynamic Link Library) umgewandelt. Diese Datei ist im Grunde ein fertiges Bauteil, das SimHub beim Startvorgang automatisch lädt und in die eigene Software einklinkt. Die Art und Weise, wie C# in eine DLL umgewandelt wird, unterscheidet sich stark von älteren Sprachen wie C oder C++.

  • Klassische Sprachen (z. B. C++): Wenn man diese kompiliert, wird der Code in reinen Maschinencode (Einsen und Nullen) übersetzt, der direkt für den Prozessor (CPU) gedacht ist. Das rückgängig zu machen (Reverse Engineering), ist extrem schwer und das Ergebnis ist für Menschen kaum noch lesbar.
  • .NET-Sprachen (wie C#): Wenn man C# kompiliert, wird der Code nicht in direkten Maschinencode übersetzt, sondern in eine Zwischensprache namens CIL (Common Intermediate Language). Erst wenn SimHub läuft, übersetzt der Computer diese Zwischensprache im Hintergrund in echten Maschinencode.

CIL behält fast die kompletten „Metadaten“ des ursprünglichen Codes bei. Das bedeutet, dass die Struktur der Klassen, die Namen der Methoden, die mathematischen Formeln und der logische Ablauf in der DLL unverschlüsselt erhalten bleiben. Weil diese CIL-Zwischensprache so strukturiert ist, gibt es kostenlose Standard-Tools (wie ILSpy, dnSpy oder dotPeek), die genau dafür gemacht sind, diese Dateien wieder rückwärts zu übersetzen. Obwohl Entwickler ihren C#-Code durch sogenannte Obfuscation (Verschleierung) schützen können, verzichten Hobby-Programmierer bei kostenlosen Community-Projekten wie CAAL meist auf diesen umständlichen Schritt. Dadurch lag der Quellcode praktisch wie ein offenes Buch vor, sodass die Datei theoretisch problemlos hätte dekompiliert und der Algorithmus mit leicht abgeänderten Variablen als eigenes Werk hätte kopiert werden können. Technisch wäre dies grundsätzlich möglich. Ob dies im vorliegenden Fall tatsächlich erfolgt ist, ist nicht belegt.

Cockpit Auto Ambient Light Plugin nicht mehr verfügbar

Die Konsequenzen, die sich aus dem Drama bisher ergeben haben, sind folgende: Der Entwickler des Cockpit Auto Ambient Light Plugins hat die kostenlose, öffentliche Version offline genommen. Seine Arbeit sei ohne Erlaubnis im kostenpflichtigen DNR-Plugin verwendet worden, so seine eigenen Angaben. Er kritisierte, dass seine unbezahlte Arbeit nun von anderen in einem Abo-Modell für etwa sechs Pfund pro Monat kommerziell verwertet werde. Um seine Entwicklungsarbeit zu schützen und das Tool der Simracing-Community dennoch zugänglich zu machen, plant er eine Rückkehr des Plugins unter einem fairen, einmaligen Bezahlmodell. In seiner Project Availability Notice schrieb Bruno Silva folgendes:

Project Availability Notice

Cockpit Auto Ambient Light has been removed from free public access for the time being.

This project was originally released as a free plugin for the sim racing community. It took many hours of development, testing, debugging, and real-world validation to make it work reliably across different games, cars, lighting setups, and Philips Hue configurations.

After the project gained visibility, including after Dan Suzuki’s video, I found that work from this project had been used without my permission in the Daniel Newman Racing plugin, also known as the DNR Plugin. That plugin is distributed as part of a paid subscription model, currently requiring users to pay around £6 per month.

I do not believe it is fair for me to spend a large amount of personal time building, testing, improving, and supporting this plugin for free, only for others to use that work commercially in their own paid product.

Because of that, I have decided to remove the public free release while I consider the best path forward.

I am currently considering bringing Cockpit Auto Ambient Light back under a fair one-time paid model instead of a monthly subscription. My goal is still to keep the plugin accessible to sim racers, but in a way that respects the time, effort, and originality behind the work.

Thank you to everyone who supported the project, tested it, reported issues, gave feedback, and used it in good faith. I genuinely appreciate the community around this plugin.

More information will be shared when a final decision is made.

For more information you can contact me by Email: bruno.1978@gmail.com or reach me on discord brunosilva1978.

Bruno Silva – GitHub (https://github.com/BrunoSilva1978PT/Cockpit-Auto-Ambient-Light-public#project-availability-notice)

Stimmen aus der Community

Aktuell gehen die Stimmen aus der Community alle in eine ähnliche Richtung. Viele User sind verärgert über den Inhalt der Vorwürfe. Auch die Enttäuschung darüber, dass das Plugin der Community in Zukunft wohl nicht mehr kostenlos zur Verfügung stehen wird, ist ebenfalls groß. Was ist eure Meinung dazu? Schreibt sie gerne in die Kommentare, bleibt dabei aber bitte sachlich.

Disclaimer: Dieser Artikel fasst öffentlich zugängliche Informationen, Dokumente und Aussagen aus der Simracing-Community redaktionell zusammen. Die geäußerten Vorwürfe gegen Daniel Newman Racing (DNR) sowie die zitierten Passagen spiegeln die Meinungen, Analysen und Behauptungen der jeweiligen Urheber (z. B. Bruno Silva, Verfasser des technischen Berichts, Community-Mitglieder) wider. Die Redaktion berichtet hierüber als neutraler Beobachter und macht sich diese Behauptungen und Vorwürfe ausdrücklich nicht zu eigen. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag uns trotz Anfrage kein offizielles Statement von DNR vor; dieses kann selbstverständlich jederzeit nachgereicht werden. Eine juristische Bewertung des Sachverhalts findet durch diesen Artikel natürlich nicht statt. Ob die erhobenen Vorwürfe tatsächlich zutreffen oder urheberrechtlich relevant sind, ist zwischen den Beteiligten umstritten und wird von der Redaktion nicht bewertet.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

,

PARTNER*