Metahaptics SimRacing Seat Insert im Test
Simracing hat sich in den letzten Jahren stetig weiterentwickelt. Während die Hauptkomponenten wie Wheelbase und Pedale langsam ausgereizt sind, gibt es in anderen Bereichen noch Nachholbedarf. Die mit 14 Motoren in acht Zonen ausgestatteten Seat Inserts des deutschen Herstellers Sensit sollen für haptisches Feedback direkt am Körper sorgen. Aktuell bietet der Hersteller diese für rund 700€ an.

Bestellung und Versand
Die Metahaptics SimRacing Seat Inserts sind sowohl im Shop von Sensit als auch in verschiedenen anderen Shops, wie beispielsweise Caseking und OverclockersUK, erhältlich. Bei Sensit wird das Set aktuell zu einem Preis von 699 € inklusive Versand nach Deutschland angeboten. Zum Zeitpunkt des Testberichts kann man mit dem Gutscheincode „simracingpc” 120€ sparen und kommt somit auf einen Endpreis von 579€. Als Lieferzeit werden aktuell ca. zwei Wochen angegeben.
- Metahaptics SimRacing Seat Insert: 699€
120€ Gutscheincode / Coupon code: SIMRACINGPC
Das hier getestete Produkt wird durch den Hersteller zur Verfügung gestellt. Es wurde zu keinem Zeitpunkt Einfluss auf den Inhalt dieses Testberichtes genommen.

Lieferumfang
Das Set ist sicher verpackt, wobei die einzelnen Sitzpolster jeweils in eigenen Plastikhüllen und die elektronischen Komponenten in eigenen Kartons untergebracht sind. Neben den Polstern und der Controller-Box sind alle benötigten Kabel, Klebestreifen und eine Anleitung im Lieferumfang enthalten.
- Seat cushion
- Center cushion
- Back cushion
- Power adapter
- Metahaptics control unit
- 3M hook-and-loop straps
- USB-C to USB-A cable,
- Quick installation guide
- User manual




Technische Daten
Nachfolgend findet ihr die technischen Daten der Metahaptics SimRacing Seat Inserts, die durch den Hersteller zur Verfügung gestellt wurden:
Materials
- Inner cushion material: PUR
- Cushion cover material: 3D Mesh (100% Polyester), Velours (100% Polyester)
- PCB Case: ABS+
Dimensions
- Seat cushion: approx. 23 x 38 x 11 cm
- Center cushion: approx. 25.5 x 38 x 7.5 cm
- Back cushion: approx. 41.3 x 34 x 6 cm
- PCB Case: approx. 8.3 x 11.2 x 3.9 cm
Technical Specs
- Voltage: 19 V
- Amperage: 5.2 A
- Power supply unit power: 100 W
Kompatibilität
In Bezug auf die Kompatibilität müssen zwei Bereiche getrennt voneinander betrachtet werden. Einerseits die Hardware-Seite und andererseits die kompatible Software.
Sitze
Durch die getrennte Ausführung der Polster und die Möglichkeit, diese leicht in Form zu drücken, sind die meisten aktuell auf dem Markt erhältlichen Sitze mit den Seat Inserts kompatibel. Für den Testbericht kam beispielsweise problemlos ein Sim-Lab-Speed-1-Schalensitz zum Einsatz, der sich nicht auf der offiziellen Kompatibilitätsliste für Sitze wiederfindet. Prinzipiell kann man anhand der angegebenen Maße der mitgelieferten Polster relativ schnell selbst nachprüfen, ob der eigene Sitz kompatibel ist.
Folgende Sitze sind offiziell als kompatibel gelistet:
- Nitro Concept
- R300
- Thermaltake
- Tt-Esport GR500
- Corbeau
- Revenge X Seat
- Revenge X Seat XL
- Rseat
- Alcantara, Bucket
- Seat Pro GT
- Sparco
- Evo L&XL QRT
- Pro 2000 QR
- Rev QRT
- Circtui II QRT
- Recaro
- Sim Star
- SPG Profi XL
- Pole Position
- GT-Omega
- Interia Bucket Seat
- Chase Bucket Seat
Software
Der Hersteller bietet über seine eigene Software nativen Support für die gängigsten Simracing-Titel. Wenn man das haptische Feedback bei anderen Spielen nutzen möchte, kann man alternativ die Software SimHub einsetzen. Mehr dazu findet ihr im entsprechenden Abschnitt dieses Berichts.
Die offiziell kompatiblen Titel findet ihr in der folgenden Liste. Der Hersteller arbeitet aktuell an einer wichtigen direkten Unterstützung für weitere Titel.
- AC
- ACC
- AC Evo
- iRacing
- F1 (24)
Montage
An das Thema Hardware-Kompatibilität schließt sich die Montage an. Hier spielt der Fakt eine Rolle, dass nahezu alle aktuellen Schalensitze ähnlich aufgebaut sind und herausnehmbare Polster besitzen, die mit Klettverschlüssen an Ort und Stelle gehalten werden. Im Falle des im Test verwendeten Sitzes von Sim-Lab mussten beispielsweise lediglich die standardmäßig verwendeten Polster entfernt und dann eins zu eins durch die drei Polster von Sensit ersetzt werden. Die beiden Kabel werden dann einfach durch die Gurtdurchführung an der Unterseite verlegt und können unterhalb des Sitzes an die Controller-Box angeschlossen werden. Das im 3D-Druck gefertigte Gehäuse fällt qualitativ gegenüber der Verarbeitung der Polster allerdings etwas ab. Die Box selbst kann mithilfe des mitgelieferten Klettbands am Sitz oder an Aluminiumprofilen befestigt werden und ist somit unter dem Sitz versteckt.
Von der Controller-Box muss schließlich nur noch ein USB-Kabel mit dem PC und das Netzkabel mit einer Steckdose verbunden werden. Insgesamt ist die Montage in unter fünf Minuten vollständig erledigt und stellt selbst für Ungeübte absolut keine Herausforderung dar.




Hardware
Als Nächstes werfen wir einen Blick auf die Hardware des Sets.
Polster
Die wichtigste Komponente des Sets sind natürlich die Polster mit ihren integrierten Motoren. Dabei sind das vordere Polster im unteren Bereich und das Rückenpolster mit Aktuatoren ausgestattet. Im Vergleich zu Standardpolstern sind diese geringfügig dicker, sodass man etwas höher sitzt und der Abstand zur Rückenlehne etwas größer wird. Die dadurch im Rückenbereich entstehende Lücke zum Rest des Sitzes wird nach Nutzer-Feedback mittlerweile mit einem zusätzlichen Schulterpad ausgeglichen (siehe Foto; war noch nicht Teil des Review-Samples).
Aber auch ohne die Zusatzpolster konnte während des Tests absolut kein Verlust der Sitzqualität festgestellt werden. Dieser Aspekt ist jedoch vermutlich stark abhängig von der Kombination aus Sitz und Körperstatur des Fahrers. Auch bei längeren Sessions boten die sehr gut verarbeiteten Polster aus Polyurethan mit einem passenden 3D-Mesh-Bezug (100 % Polyester) stets einen angenehmen Sitz. Selbst mehrere Wochen mit intensiven Fahreinheiten führten zu keinerlei nennenswerten, sichtbaren Abnutzungen.





Motoren
Neben den Polstern sind natürlich die verbauten Motoren für das haptische Feedback essenziell. Der Hersteller verbaut hier gleich 14 Motoren in zwei Größen, wodurch sich die Metahaptics SimRacing Seat Inserts von der Konkurrenz im Bereich der haptischen Matten für Sitze abheben.
- 4x Large Hi-Res magnetic LRAs
- 10x Medium Hi-Res magnetic LRAs
Die LRAs verfügen laut Herstellerangaben über einen Frequenzbereich von 10 bis 20.000 Hz und eine Latenz von nur 5 Millisekunden. Die erwähnten LRAs (Linear Resonant Actuators) sind lineare Resonanzaktoren. Im Gegensatz zu den in diesem Bereich sonst oft verwendeten ERMs (Eccentric Rotating Mass) sollen sie eine präzisere und schnellere haptische Rückmeldung ermöglichen. LRAs nutzen eine bewegliche Masse, die entlang einer Achse vibriert.
- Reaktionsgeschwindigkeit: LRAs reagieren schneller und bieten eine bessere Kontrolle über die Vibrationen.
- Präzision: Sie liefern ein detaillierteres und realistischeres Feedback, was insbesondere für Simracing von Bedeutung sein kann.
- Effizienz: LRAs verbrauchen in der Regel weniger Energie und haben eine längere Lebensdauer.

Lautstärke
Ein weiterer wichtiger Faktor bei einem solchen Produkt ist die Lautstärke. Die Aktuatoren sind selbst bei hohen Einstellungen und einem nicht entkoppelten Sitz relativ leise und bereits mit wenigen Metern Abstand kaum noch zu hören. Damit sind sie ohne zusätzliche Entkopplung des Sitzes zwar nur bedingt wohnzimmertauglich, haben allerdings keine Auswirkungen auf die umliegenden Räume. Das ist ein nicht unwesentlicher Pluspunkt gegenüber Motion-Simulatoren, bei denen man deutlich mehr Gegenmaßnahmen ergreifen muss, um sich mit den Nachbarn nicht zu verscherzen.
Nachfolgend findet ihr eine Audioaufnahme, die während des Betriebs nahe der maximalen Leistungsfähigkeit aus einer Distanz von rund 60 Zentimetern erstellt wurde. Dabei sind die permanent wiedergegebenen Motorvibrationen beispielsweise gar nicht oder nur sehr schwer akustisch wahrzunehmen:
Software
Neben der Hardware selbst müssen die Aktuatoren natürlich auch mit der passenden Software betrieben werden, damit sie zielgerichtet eingesetzt werden können.
SensitHaptics SimRacing Cockpit
Als hauseigene Software setzt Sensit auf SensitHaptics SimRacing Cockpit, eine sehr schlichte und dadurch besonders leicht zu bedienende eigene Software, die auf der Website des Herstellers heruntergeladen werden kann. Dort kann man zwischen verschiedenen vorgefertigten Profilen wählen oder eigene Einstellungen vornehmen. Dabei lassen sich folgende Effekte einstellen und in der Intensität sowie den zugeordneten Aktuatoren verändern:
- Gearshift: Haptics simulate the physical jolt of gear changes, enhancing realism and precision during shifting.
- Wheelslip: Detect traction loss instantly through haptic feedback, helping you respond to skidding or wheelspin in real time.
- Roadfeel: Haptics replicate surface textures, from smooth asphalt to bumpy curbs, for immersive driving sensations.
- Engine: Experience the engine’s rumble through your seat, reflecting RPM changes and engine intensity.
- ABS: Feel the pulsating vibrations when ABS activates, mimicking the feedback of a real braking system.
Der Vorteil gegenüber SimHub liegt in der höheren Frequenz, mit der die Software arbeitet (100-Hz-Abtastrate der telemetriebasierten Effekte), sowie in der sehr einfachen Bedienung. Nachteilig ist aktuell noch die sehr überschaubare Auswahl an Simulationen und Effekten.





SimHub
Neben der eigenen Software lassen sich die Metahaptics SimRacing Seat Inserts aufgrund ihrer Eigenschaft als Audiogerät auch über SimHub ansteuern. Dabei können die acht Kanäle (SeatFrontLeft, SeatFrontRight, BackrestBottomLeft, BackrestBottomRight, BackrestTopLeft, BackrestTopRight, SeatLeftMid, SeatRightMid) einzeln angesteuert werden. Dazu stehen folgende Effekte zur Auswahl, wobei nicht alle Effekte für jede Simulation verfügbar sind:
- ABS ACTIVE
- Provides feedback when ABS is currently active
- ACCELERATION G-FORCE
- Provides longitudinal acceleration feedback based on G-Force
- CUSTOM EFFECT
- Provides ability to create your own effect based on game data
- DECELERATION G-FORCE
- Provide deceleration feedback based on G-Force
- ENGINE VIBRATION (PARAMETRIC SOUND)
- Simulates engine vibration
- GEAR GRINDING
- Provides feedback for grinding gears (racing only)
- GEAR SHIFT
- Provides a pulse effect for gear shifting
- JUMP LANDING
- Provides localized feedback for jump landings
- LATERAL G-FORCE
- Provides lateral acceleration feedback based on G-Force
- MISSED GEAR
- Provide feedback for missed gears (manual cars only, based on H-Pattern controller)
- ROAD IMPACTS
- Provides localized feedback for bumps and other wheels impact on road
- ROAD RUMBLE (RUMBLE STRIPS, GRASS …)
- Provides localized rumble for kerbs, grass …
- ROAD VIBRATION
- Provides localized road vibration based on suspension telemetry
- RPMS
- Simulates engine RPMs with a fully customizable RPM response curve
- SIMULATED ROAD TEXTURE
- Simulate the road texture based on speed
- SPEED
- Provide simple speed proportional feedback
- SPEED WITH CURVING
- Provide speed proportional feedback with left/right curving
- TC ACTIVE
- Provides feedback when TC is currently active
Wie man sieht, liegt der Vorteil neben der größeren Auswahl an kompatiblen Simulationen auch in der größeren Bandbreite an Effekten. Allerdings sollte man es nicht übertreiben. Werden zu viele Effekte überlagert, kann es schnell passieren, dass man sie nicht mehr sauber voneinander getrennt wahrnehmen kann, was zu einer schlechteren Praxiserfahrung führen kann.
Abgesehen von der geringeren Frequenz ist die Komplexität der Einstellungen der größte Nachteil von SimHub, da sie vor allem Einsteiger am Anfang sehr schnell abschrecken kann. Hier wäre ein direkt mitgeliefertes Basisprofil ein guter Ansatzpunkt.


Praxiserfahrung
Bei Simracing-Hardware kommt es am Ende natürlich immer auf die Leistung auf der Rennstrecke an. Die Metahaptics SimRacing Seat Inserts lassen sich hier auf zweierlei Arten bewerten.
- Kompetitiver Aspekt: Aus kompetitiver Sicht ist es am besten, sich auf wenige Effekte zu konzentrieren, wie es auch im mitgelieferten Profil AC Competitiveder Fall ist. Hier sind ABS und Wheel Slip aktiv, wodurch man ähnlich wie bei aktiven Pedalen eine direkte Rückmeldung über das eingreifende ABS erhält und das Ausbrechen des Autos zudem durch haptische Effekte dargestellt wird. Die verbauten Aktuatoren sind dabei in der höchsten Einstellung so stark, dass sie den ABS-Effekt der während des Tests verwendeten „mBooster Active Pedals” von MOZA teilweise sogar überdecken. Insgesamt führt das kompetitive Profil zwar nicht zu einer bahnbrechenden Leistungsexplosion, dennoch ist man über jede mögliche Zusatzinformation froh, die man erhalten kann. Im Zweifelsfall können die wenigen Millisekunden, um ein ausbrechendes Auto früher zu bemerken, entscheidend sein.
- Immersion / Spaßfaktor: Einen viel größeren Faktor als den kompetitiven Aspekt stellt die Immersion bzw. der Spaßfaktor dar. Hier bieten die Metahaptics SimRacing Seat Inserts eine neue Ebene an Effekten, die das Erlebnis im Simulator noch lebendiger machen. Besonders groß war während des Testzeitraums das Grinsen über die Effekte bei Gangwechseln, die den Körper auf hoher Einstellung regelrecht durchschütteln. Auch die Motorenvibration und die Effekte für Straßentexturen tragen wesentlich zur Gesamterfahrung bei. Ein Vergleich mit einem Motion-System ist natürlich nicht ganz zutreffend, aber man könnte sagen, dass man diesem hier so nah kommt wie sonst kaum.
Für ein solches haptisches System sind Simulationen besonders empfehlenswert, die eine Unterstützung für möglichst viele der verfügbaren Effekte bieten. Vorbildlich ist hier die Assetto-Corsa-Reihe, die eine ausgezeichnete Erfahrung bietet. Während des Tests wurde schnell klar, dass die SensitHaptics SimRacing Cockpit Software aktuell einfach noch ein bisschen mehr aus den Aktuatoren herauskitzelt und dass die Erstellung eines passenden SimHub-Profils nicht in ein paar Tagen erledigt ist, sondern sehr viel Feinarbeit erfordert.
Fazit
Mit den Metahaptics SimRacing Seat Inserts liefert der deutsche Hersteller Sensit ein sehr gelungenes Gesamtpaket ab. Die einfache Montage und schnelle Inbetriebnahme sprechen nicht nur Hardcore-Simracer an, sondern eröffnen auch Neulingen die Welt des haptischen Feedbacks. Die gelungene Softwareintegration sowie die zusätzlich verfügbare, optionale Kompatibilität mit SimHub tragen stark zum Plug-and-Play-Aspekt bei und lassen den Spaßfaktor direkt ab der ersten Sekunde voll durchkommen. Insgesamt bietet das Set mit seinen 14 Aktuatoren einen klaren Mehrwert durch die Vielzahl möglicher haptischer Effekte, auch wenn es mit einem Preis von rund 700€ sicherlich nicht für jeden Simracer erschwinglich ist.
Näher kommt man aktuell allerdings kaum an das Erlebnis eines Motion-Simulators heran, weshalb das Produkt eine klare Kaufempfehlung erhält.
Pros
- 4 + 10 Aktuatoren
- Software
- Hardware-Kompatibilität
- Plug & Play
- Spaßfaktor
- Optionaler Simhub-Support
Cons
- (SensitHaptics SimRacing Cockpit mit eingeschränkter Kompatibilität)
120€ Gutscheincode / Coupon code: SIMRACINGPC













Hey Simracing-PC
Kann ich das Set auch bei LFS benutzen, ich bin da noch regelmäßig unterwegs!
Hey LFS-Fan,
Du kannst mit SimHub auch ohne vorhandene Hardware ausprobieren, welche Effekte untersetzt werden. Das meiste sollte ohne Probleme funktionieren.
Liebe Grüße,
Max
Wird es zum Black Friday noch einen höheren Rabatt geben? Das Teil klingt mega, aber 700€ sind echt nicht wenig.
Hallo Groki,
aktuell ist mir keine zusätzliche Rabattaktion für den diesjährigen Black Friday bekannt. AUgen aufhalten kann aber nie schaden! 🙂
Liebe Grüße,
Max
Danke für da Review. Bin nur dadurch darauf gestoßen und war extra auf der Expo um es auszuprobieren. Es stimmt wirklich: Fun-Faktor Level 1000! Werde es mir in den nächsten Wochen definitiv zulegen. Und die Jungs von Sensit sind super nett und arbeiten an iRacing-Support!