Asetek Invicta Simracing Pedale im Test

Asetek Invicta Simracing Pedale im Test

Mit Asetek hat dieses Jahr ein weiterer Hersteller den immer weiter anwachsenden Simracing-Markt betreten. Der dänische Hersteller, der bisher vor allem für Wasserkühlungen im PC-Bereich bekannt war, möchte nun seine Produktpalette erweitern. Der erste Schritt dabei sind die Asetek Invicta Simracing Pedale, welche den Grundstein für das Asetek-Ökosystem legen sollen. Ob dies bereits im ersten Anlauf gelingt, soll dieser Testbericht untersuchen.

Bestellung und Versand

Die Pedale können sowohl bei Aseteks hauseigenem Onlineshop als auch bei verschiedenen Distributoren erworben werden. Dabei werden folgende Preise ausgerufen:

  • Invicta Sim Racing Pedals Brake and Throttle: 849€
  • Invicta Clutch System: 249€
  • Invicta Throttle Footrest: 39.95€
  • Forte Pedal Face Plates 59€

Lieferumfang

In diesem Testbericht geht es um das Zwei-Pedal-Set, welches mit folgendem Lieferumfang ausgeliefert wird:

  • Invicta™ Brake & Throttle pedal combo
  • Safety brief
  • Warranty statement
  • Asetek SimSports™ sticker sheet
  • USB Type-A to USB Type-C cable (Two (2) meters)
  • USB Type-C to USB Type-C cable (Two (2) meters)
  • M 6×5 set screw (x2)
  • M 6×20 bolt (x4)
  • M 6 Slot nut (x4)
  • Washer (x4)
  • M 6 Hex nut (x4)
  • Allen Key, 3mm
  • Allen key, 5mm
  • Elastomer
    • Green (black), Soft
    • Yellow (white), Medium (Preinstalled)
    • Orange (green), Hard
  • Throttle Spring
    • Hard, (Preinstalled)
    • Soft

Insgesamt ist der Lieferumfang also sehr üppig und es werden alle benötigten Komponenten beigelegt, um die Pedale am eigenen Rig problemlos zu montieren und direkt in Betrieb zu nehmen. Ebenfalls Teil des Lieferumfangs sind drei Elastomere in verschiedenen Härtegraden für die Bremse und zwei Federn für das Gaspedal. Abgerundet wird das Gesamtpaket dann durch zwei beigelegte USB-Kabel (zur Inbetriebnahme wird nur jeweils eines benötigt) und einen Stickerbogen.

Kompatibilität

Asetek verspricht eine Kompatibilität zu allen relevanten Rennsimulationen auf dem Markt:

  • Assetto Corsa
  • Assetto Corsa Competizione
  • DiRT Rally
  • DiRT Rally 2.0
  • F1 Series
  • iRacing
  • Project Cars 2
  • rFactor 2
  • And many more (all games that accept direct input devices)

Im Test funktionieren die Pedale sowohl in iRacing als auch Assetto Corsa, Assetto Corsa Competizione und F1 2021 ohne Probleme und wurden direkt erkannt.

Montage

Die Pedale kommen vollständig vormontiert zum Endkunden und müssen lediglich mit Hilfe der beiliegenden vier Schrauben mit einer geeigneten Unterlage verbunden werden. Drei der Schrauben können ohne Umwege direkt erreicht werden, für die vierte ist es nötig das Gestänge des Gaspedals kurzzeitig aus dem Weg zu hebeln. Dies ist aber in wenigen Handgriffen erledigt.

Anschließend muss nur noch eines der beiden beigelegten USB-Kabel mit dem PC verbunden werden und die Montage ist hardwareseitig vollständig erledigt. Eine feste Verbindung mit einem RIg ist in jedem Fall zu empfehlen und nahezu obligatorisch.

Pedale

Die Pedalarme der Invictas sind ebenso wie die Halterungen aus schwarz eloxiertem Aluminium gefertigt und machen einen sehr wertigen Eindruck. Für ein geschmeidiges Betätigen der Pedale wurden Kugellager und Bronzebuchsen verbaut.

Laut Asetek sind die Pedalarme jeweils für bis zu 200 Kilo reguläre Belastung ausgelegt, was in jeder Situation mehr als genug sein sollte.

Sowohl bei Brems- als auch beim Gaspedal lässt sich der Winkel in einem gewissen Rahmen einstellen. Dazu sind die in der Farbe Orange gehaltenen und mit der Hand verstellbaren Muttern vorgesehen. Diese lassen sich nach lösen der Spannung im Pedal im und gegen den Uhrzeigersinn drehen und verändern so den Winkel des Pedale im Ruhezustand. Eine detaillierte Anleitung dafür findet sich in der umfangreichen und gut aufbereiteten Bedienungsanleitung von Asetek.

Baseplate

Die Baseplate ist wie bereits erwähnt bereits vollständig vormontiert und Bedarf keiner weiteren Vorbereitung. Integriert in ihr ist eine Fersenablage, welche bei sehr großen Füßen vielleicht etwas zu klein sein könnte. Bis Schuhgröße 45 traten allerdings keinerlei Probleme während des Tests auf, diese „Sorge“ könnte also auch unbegründet sein. Probleme mit Flex gab es während des Testens keine.

Die verbauten RGB-LEDs verleihen der Baseplate einen zusätzliches Designelement und sind über die Software von Asetek sowohl Dimmbar als auch in der Farbe einstellbar (siehe Abschnitt Software).

Für die Kabelführung des USB-Kabels gibt eine vorgesehene Durchführung an der Rückseite des Pedal-Sets, welche mit einem zusätzlich im Lieferumfang enthaltenen Kabelbinder umgesetzt wird. Hier wird Asetek vermutlich in Zukunft noch etwas nachbessern und eine elegantere Lösung finden.

Pedal Plates

Die Pedal Plates der Asetek Invicta sind ausgezeichnet verarbeitet und bestehen aus schwarz eloxiertem Aluminium mit CNC-gefrästen Details für einen sehr ansehnlichen Kontrast.

Durch die scharfkantigen Lochbohrungen an der Vorderseite bieten die Platten einen ausgezeichneten Halt, vor allem bei der Verwendung mit den passenden Schuhen. Die Schattenseiten dieses Designs sind ein sehr hoher Abrieb der Schuhsohle und eine gewisse Problematik bei der Verwendung ohne Schuhe. So ist es, vor allem bei höheren Bremskräften, teilweise sehr schmerzhaft den benötigten Bremsdruck auf Dauer aufrecht zu erhalten. Hier hat Asetek bereits reagiert und bietet alternative Pedalplatten für die „Barfuß-Simracer“ unter uns an.

Die Platten lassen sich durch das verwendete Lochmuster sowohl in der Höhe als auch im Abstand zueinander anpassen.

Bremspedal

Das Herzstück der Pedale ist natürlich die hydraulische Bremse, welche für einen Bremsdruck (gemessen an der Pedalplatte) von bis zu 185 Kilogramm ausgelegt ist. Die Funktion der Bremse lässt sich in zwei Phasen unterteilen:

First Stage

In der ersten Phase des Bremsvorgangs wird ein Elastomer auf einem Weg von etwa 20-25 Millimeter komprimiert bis er an einen mechanischen Endstop gelangt. Um den benötigten Druck für das Ende der ersten Stage zu erreichen, legt Asetek drei verschiedene Elastomere bei, welche laut dem Hersteller jeweils bei den folgenden Drücken bis zum Endstop nachgeben:

  • Schwarz: 30 Bar
  • Weiß: 50 Bar
  • Grün: 65 Bar

Der schwarze Elastomer wurde für diesen Test gewählt und lässt sich auch ohne Schuhe problemlos verwenden. Grundsätzlich sind härtere Elastomere eher für Formel-Fahrzeuge vorgesehen, während weichere Ausführungen eher in Richtung Straßenfahrzeug / GT-Rennwagen einzuordnen sind. Die mitgelieferten Elastomere lassen sich mit wenigen Handgriffen problemlos austauschen, weitere optionale Elastomere sind bereits im Handbuch der Pedale angekündigt.

Second Stage

Die zweite Phase des Bremsvorgangs lässt sich als „rock hard“ beschreiben und lässt sich bis zu einem maximalen Druck von 100 Bar (entspricht 185 Kilo an der Pedalplatte) betreiben. Die einzige „Bewegung“ die hier noch möglich ist, ist der Flex im System, welcher idealerweise minimal gehalten wird.

Eine detaillierte Erklärung zur Funktionsweise der Bremse findet sich hier: https://www.youtube.com/watch?v=QjktKoChfX8

Eindruck

Das Konzept von Asetek, eine reale Bremse möglichst genau nachzuahmen, geht in jedem Fall auf. Im iRacing-Test konnten trotz einer längeren Abstinenz von den GTE-Boliden die Bremspunkte sehr genau getroffen werden. Auch ein Blockieren der Räder kam bereits nach kurzer Zeit so gut wie nie vor und die Eingewöhnungszeit an die Invictas war insgesamt außerordentlich kurz. Auch Tailbreaking gelingt mit den Pedalen problemlos und sehr intuitiv.

Auch in Assetto Corsa Competizione konnten die zuvor mit anderen Pedalen gefahrenen Zeiten in sehr kurzer Zeit erreicht werden. Bei harten Bremszonen (beispielsweise Monza) konnte, wie von Asetek versprochen, der Bremspunkt um den ein oder anderen Meter nach hinten verschoben werden. Auch wenn das angesprochene Zehntel Zeitgewinn pro harter Bremszone im Test nicht nachvollziehbar war (im Vergleich zu Heusinkveld Ultimate Pedalen), ist das Fazit über das Bremsgefühl des Pedals absolut positiv.

Gaspedal

Das Gaspedal der Invicta wurde mit einem kontaktlosen Hallsensor (16 Bit) umgesetzt. Dieser ermöglicht im Zusammenspiel mit dem kugelgelagertem Pedalarm und der verbauten Feder ein sehr angenehmes Pedalgefühl. Möchte man das dieses weiter an seine eigenen Bedürfnisse anpassen.

  • Zwei verschiedene Federn verschiedener Härte, wobei die stärkere Feder vormontiert ist und auch im Test durchgehend verwendet wurde.
  • Endanschlag des Gaspedals über eine verstellbare Schraube. Dieser Metall-auf-Metall-Kontaktpunkt ist zwar sehr präzise und einfach einstellbar, dabei aber auch deutlich hörbar. Hier hätte Asetek durchaus eine Abdeckkappe beilegen können um das entstehende Geräusch etwas zu entschärfen. In der Praxis tut es hier im Zweifel aber auch ein Stück Panzertape oder eine Abdeckkappe aus dem Baumarkt.
  • Eine anpassbare Vorspannung der Feder. Durch diese lässt sich die Länge der Feder beeinflussen, was sich auf die zum Beginn benötigte Kraft auswirkt.

Software

Die Software der Asetek Invicta, welche der Hersteller RaceHub getauft hat, ist aufgeräumt, bietet aber nahezu alles, was das Simracing-Herz begehrt. Hier lassen sich die RGB-LEDs konfigurieren, die Kennkurven der Pedale anpassen und natürlich auch Änderungen an den Totzonen sowie eine Kalibrierung auf die gewünschte Bremskraft durchführen.

Einzig auf verschiedene speicherbare Profile (zum Beispiel für verschiedene Fahrzeuge oder Simulationen) muss man bisher verzichten. Hier arbeitet Asetek aber schon an einer Umsetzung.

Modding

Um die Pedale sockenfreundlich zu gestalten und das Geräusch des Endstops zu dämpfen entstanden zwei kleine Modding-Projekte:

Fazit

Asetek ist mit den Invicta-Pedalen ein absolut gelungener Einstieg in den Simracing-Markt gelungen. Neben dem sehr guten Bremsgefühl, den verwendeten Materialien und der guten Verarbeitung überzeugen sowohl Lieferumfang als auch Software. Die Installation ist in wenigen Handgriffen erledigt und die meisten Individualisierungen sind ohne Werkzeug möglich.

Im Gegenzug muss man dafür durch die feste Montage der Pedalarme an der beiliegenden Baseplate im Zweifelsfall Einbuße bei der Positionierung eingehen. Zusammen mit den scharfkantigen Lochbohrungen der Pedalplatten stellt dies auch die einzigen echten Kritikpunkte dar.

Insgesamt sind die Pedale daher eine klare Kaufempfehlung.

Pros

  • Plug & Play…
  • Sehr gutes Bremsgefühl
  • Einstellungen fast vollständig ohne Werkzeug durchführbar
  • Lieferumfang
  • Software
  • Materialien und Verarbeitung
  • Preis/Leistungs-Verhältnis

Cons

  • … auf Kosten einer freien Positionierung
  • Pedalplatten mit scharfkantigen Lochbohrungen
  • (lauter Endstop des Gaspedals)

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